Natur und Jagd im Kreis Coesfeld
... Gänse
Gänse, 15 Arten von Wasservögeln, Zwischenformen zwischen Enten und Schwänen, die zur Familie der Entenvögel (Anatidae) gehören. Die Gänse haben längere Beine und einen längeren Hals als die meisten Enten und sind weniger ans Wasser gebunden, da sie überwiegend Grasweider sind.

Da die Gänse verhältnismäßig groß und schwer sind und ihr Fleisch sehr schmackhaft ist, spielen sie in manchen Ländern eine große Rolle in der Geflügelzucht. Zwei Arten, die Graugans (Anser anser) und die Schwanengans (Ansercygnoides), wurden mit viel Erfolg domestiziert und werden heute vielfach als Fleischgänse gezüchtet.

Bei den Gänsen unterscheidet man zwei natürliche Gruppen: die »grauen« Gänse der Gattung Anser und die »schwarzen« Gänse der Gattung Branta. Alle 15 Arten finden sich nur auf der nördlichen Erdhälfte. Sie brüten in den arktischen und subarktischen Regionen. Sie leben, außerhalb der Brutzeit, in mehr oder weniger großen Gruppen und bilden große Zugverbände. Diese Zugverbände bilden meistens eine Keilform, und jede Gans sorgt dann dafür, daß sie etwas schräg hinter ihrem Vorgänger fliegt. Dieses im Zugverband-Fliegen wird durch das hochentwickelte Sozial- und Familiengefühl der Gänse noch stimuliert. Die Gänse leben meistens in lebenslanger Einehe, und ein einmal geschlossener Familienverband hält zumindest solange zusammen, bis die Nachkommen einen eigenen Lebenspartner gefunden haben. Aber auch danach bleiben die Mitglieder einer Familie oft in großen Gruppen zusammen.

Der typischste Vertreter der »grauen« Gänse ist die im paläarktischen Gebiet allgemein vorkommende Graugans, von welcher es östliche und westliche Rassen gibt. Sie ist, mit einer Länge von 80-90 cm, die größte aller grauen Gänse, hat einen großen, kompakten Kopf und einen dicken Schnabel, der bei den westlichen Rassen orangefarben und bei den östlichen Rassen rosa ist. Im Gegensatz zu den anderen Gänsen hat die Graugans eine dunkle Zeichnung auf dem Schnabel. Die Beine und Füße sind fleischfarben, und die Vorderflügel sind hellgrau. Im übrigen ist das Gefieder graubraun, und die Rückenfedern haben helle Ränder, so daß der Rücken wie gestreift erscheint. Die Schwanzfedern sind grau mit weißen Spitzen, und die Deckfedern von Unterund Oberschwanz sind ebenfalls weiß. Kopf und Hals sind dunkler als der übrige Körper. Brust und Bauch sind heller und spärlich schwarz gefleckt.
Die wilde Graugans (Anser anser) ist die Stammform der meisten Rassen unserer Hausgänse.
Graugans - kurz und bündig:
Größe

80 bis 90 cm

Brut 1 Jahresbrut mit 5 bis 8 schmutzig-weiße Eier
Brutdauer 4 Wochen
Lebensraum Punktuell im Kreis Coesfeld sowie am Halterner Stausee (Kreis Recklinghausen)
Graugänse unterliegen dem Jagdrecht.
Wir danken der INTERRA Verlags- und Buchservice GmbH & Co., Tangstedt/ Hamburg, die uns das Textmaterial zur Verfügung gestellt hat, für die uneigennützige Unterstützung.

Die Graugans brütet in Sumpf- und Heidelandschaften und, wenn diese zur Verfügung stehen, auf Inseln. Die Nester liegen manchmal in kleinen Kolonien dicht beieinander. Sie befinden sich immer am Boden und sind gut verborgen im Schilfdickicht oder zwischen anderen Pflanzen. Sie sind mit allerlei Pflanzen und Federn gepolstert. Das Gelege umfaßt durchschnittlich 4 - 6 weißliche Eier. Größere Gelege kommen meistens nur bei Kreuzungen mit Hausgänsen vor. Die Eier werden in 27 - 28 Tagen ausschließlich vom Weibchen ausgebrütet. Das Männchen bewacht in dieser Zeit das brütende Weibchen. Die gut entwikkelten Jungen sind Nestflüchter und werden von beiden Eltern geführt. Die jungen Gänse fressen mehr wirbellose Kleintiere als Pflanzen. Die erwachsenen Graugänse dagegen ernähren sich fast ausschließlich von Pflanzen (Wiesenkräutern und Gräsern) sowie Beeren und Körnern, die sie sich von Feldern holen. Ihre Winterquartiere schlagen die Graugänse gern auf nassen Wiesen auf, und während des Zuges übernachten sie gern an landeinwärts gelegenen Seen. Das Brutgebiet der westlichen Graugänse erstreckt sich von Island und Skandinavien im Norden bis Jugoslawien und Griechenland im Süden; das Winterquartier erstreckt sich von England und den Niederlanden bis Nordafrika. Die in Island brütenden Graugänse überwintern in England und den Niederlanden.

Eine weitere, wichtige graue Gans ist die Saatgans (Anser fabalis). Sie ist schlanker gebaut als die Graugans und brütet weiter nördlich als diese, von Ostgrönland bis zu den Tundren und Nadelwäldern Ostsibiriens Die Saatgans hat die gleiche Lebensweise wie die Graugans, brütet aber lieber auf kleinen Erhöhungen, wo sie freie Aussicht nach allen Richtungen hat. Die eng mit der Saatgans verwandte, aber etwas kleinere Kurzschnabelgans (Anser fabalis brachyrhynchus) brütet sogar auf Felsvorsprüngen und ähnlichem. Obwohl die Saatgans stark vom Menschen verfolgt wird, ist sie, dank ihres abgelegenen Brutgebietes, noch relativ zahlreich. In Deutschland kommt sie, wie auch die Kurzschnabelgans, nur als Wintergast vor. Beringungsexperimente ergaben, daß die auf Spitzbergen brütenden Saatgänse auf dem europäischen Festland überwintern. Die Bläßgans (Anser albifrons) brütet ebenfalls in den arktischen Regionen und zieht vor Winteranfang in riesigen Flugverbänden nach dem Süden. Sie ist kleiner und dunkler als die Graugans, hat unregelmäßige, breite, schwarze Querstreifen auf dem Bauch und weiße Federn um die Schnabelwurzel. Der Schnabel ist rosa, die Beine sind gelborange.

Eine ähnliche, aber noch etwas kleinere Art ist die Zwerggans (Anser erythropus), die nur ungefähr 55 cm mißt. Ihr Brutgebiet liegt etwas südlicher als das der Saatgans, in den subarktischen Regionen Eurasiens. Sie hat einen größeren weißen Stirnfleck als die Bläßgans und leuchtendgelbe Augenringe sowie einen etwas kürzeren, rötlichen Schnabel. Die große Schwanengans brütet in Sibirien, der Mongolei und der Mandschurei. Sie ist in China seit über 3000 Jahren domestiziert. Die domestizierte Form unterscheidet sich von der wilden nur durch Schnabelhöcker. Im übrigen haben beide Formen das typische Gefieder der Graugans, nur ist die Vorderseite des Halses weißlich und die Rückseite kastanienbraun. Die Wildform hat den längsten Schnabel aller derzeit lebenden Gänse. Die Schwanengans verträgt Wärme viel besser als die Graugans und wird auch bei uns oft als Ziervogel auf Parkseen gehalten.

Die fünf Arten von »schwarzen« Gänsen sind in der Gattung Branta (Meergänse) zusammengefaßt. Die bekannteste unter ihnen ist die Kanadagans (Branta canadensis), von welcher es 12 Rassen gibt; eine dieser Rassen ist wahrscheinlich bereits ausgestorben. Alle Kanadagänse haben einen braunen Körper, einen weißen Bürzel, einen schwarzen Hals und einen schwarzen Kopf mit weißem Wangenfleck. Die größte Rasse ist die Riesenkanadagans (Branta canadensis maxima), die eine Länge von 90 cm erreicht. Die kleinste Rasse, die Kleine Kanadagans (Branta canadensis minima), wird nur ungefähr 50 cm lang und ist viel seltener. Die Kanadagans brütet in ganz Kanada, mit Ausnahme der allernördlichsten Inseln, in weiten Teilen Nordamerikas und auf den Aleuten. Auch die Kanadagänse sind Zugvögel.

Die dunkelste Art unter den Meergänsen ist die nur höchstens 65 cm große Ringelgans (Branta bernicla). Ihr Gefieder ist größtenteils schwarzgrau oder schwarzbraun, mit heller Unterseite und einem durchbrochenen weißen Halsring. Schnabel und Beine sind dunkelgrau. Auch von der Ringelgans gibt es verschiedene Rassen, die jeweils ihr eigenes Brutgebiet haben.

Die Weißwangengans (Branta leucopsis) hat ein sehr schönes Gefieder: einen reingrauen Rücken, hellgrauen Bauch, weißen Bürzel, eine schwarze Vorderbrust und einen schwarzen Hals, weiße Wangen und weiße Stirn. Sie brütet in den Tundren der paläarktischen Regionen, Grönland und Spitzbergen einbegriffen, und nistet an Felswänden und anderen schwer zugänglichen Stellen.

Die auffallendste Art der Meergänse ist zweifellos die Rothalsgans (Branta ruficollis), deren Gefieder eine starke Kontrastfärbung hat: Oberseite und Brust schwarz, Bürzel und ein breiter Flankenstreifen weiß, Vorderhals und Wangen kastanienbraun mit scharfer weißer Umrahmung, Kopf und Nacken schwarz. Mit einer Länge von nur 50 - 55 cm ist die Rothalsgans die kleinste aller Meergänse. Sie brütet in den nordsibirischen Tundren.

Die Neué oder Hawaii-Gans (Branta sandvicensis) ist beinahe ausgestorben und kommt nur noch mit wenigen Exemplaren auf der Insel Hawaii und einer der Nachbarinseln vor. Sie ist braun, schwarz und weiß gestreift, mit schwarzem Kopf, rotbraunem Hals und rotbraunen Wangen. Die Halsfedern sind auffällig streifig angeordnet und erscheinen wie gekräuselt. Diese Gans ist kein Zugvogel und dem Wasserleben völlig entwöhnt. Sie hat eine ziemlich aufrechte Haltung, ist hochbeinig und hat stark reduzierte Schwimmhäute. Sie war früher sehr zahlreich, wurde aber so schwer verfolgt, daß es 1950 nur noch ungefähr 50 Exemplare gab. Aufgrund damals erlassener Schutzvorschriften begann sie sich langsam wieder zu vermehren, und heute gibt es wieder mehrere Hundert Hawaii-Gänse. Die Spaltfußgans (Anseranas semipalmata) ist ein großer, schwarzweißer Vogel, der sich im Süden Neuguineas und im Norden Australiens findet. Diese Gans weicht sowohl in mehreren anatomischen Merkmalen als auch in ihrer Lebensweise von den übrigen Gänsen ab. Sie hält sich gerne auf Bäumen auf.
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