Natur und Jagd im Kreis Coesfeld
... Fledermäuse

Fledermäuse sind eine besondere Tiergruppe mit erstaunlichen Fähigkeiten, die besonders gefährdet sind. Bereits seit sehr langer Zeit regt die heimliche Lebensweise der Fledermäuse die Phantasie des Menschen an.

Bereits die Römer nagelten Fledermäuse an Stalltüren, um böse Geister abzuwehren. Im Mittelalter wurden den Fledermäusen magische Kräfte angedichtet; die Menschen glaubten, sie seien mit dem Teufel im Bunde. Die Menschen fürchteten sich vor ihnen und töteten sie, wo immer sie gefunden wurden.

Heute wissen wir mehr über die Fledermäuse, doch vielen Menschen erscheinen die Tiere immer noch unheimlich. Fledermäuse sind Säugetiere und bilden in der Klasse der Säugetiere eine eigene Ordnung (Fledertiere oder Flattertiere »Chiroptera«) und haben mit den echten Mäusen (Nagetiere) nur den Namen gemeinsam. Sie besitzen die typischen Merkmale der Säugetiere. Fledermäuse haben ein Fell, große herausragende Ohrmuscheln und gebären lebende junge, die mit Muttermilch ernährt werden. Weltweit existieren über 950 verschiedene Fledertierarten, zu denen auch die Flughunde der Tropen (etwa 175 Arten) gehören. Zwei Arten dieser Flughunde können Sie im Allwetterzoo in Münster sehen. Besonders unheimlich erscheint die Fähigkeit der Fledermäuse, sich selbst in vollkommener Dunkelheit noch sehr gut orientieren zu können. Dies hat jedoch nichts mit Zauberei zu tun. Die Fledermäuse verfügen vielmehr über ein perfektes Sonar. Die Tiere stoßen während des Fluges laute Schreie aus, die von Beutetieren oder Hindernissen in der Flugbahn zurückgeworfen werden. Durch die Echos dieser Rufe machen sich die Fledermäuse dann ein »Hörbild« ihrer Umgebung. Die Fledermausschreie liegen allerdings über der Hörgrenze des Menschen (oberhalb 20.000 Hertz), so daß wir die Ortungsrufe nicht hören können und die Fledermäuse scheinbar lautlos ihren Weg finden.

Die Fledermäuse sind hervorragend an die Lebensweise im Flug angepaßt. Nicht nur die Ultraschall-Echoortung ist bemerkenswert, sondern auch die Wendigkeit, mit der die Tiere bei ihrem Jagdflug noch kleinste Beutetiere erwischen können. Sie besitzen besonders leichte Knochen, und zwischen den Arm- und Beinknochen hat sich eine elastische Haut gebildet, die Flughaut.

Der Flügel wird von den stark verlängerten Fingerknochen aufgespannt. Fledermausflügel sehen sehr zerbrechlich aus, doch sind sie speziell für die Belastungen des Fluges ausgelegt. In der Ruhestellung werden die Flügel wie ein Regenschirm an den Körper angelegt. Entgegen den Vorstellungen der meisten Menschen sind die heimischen Fledermäuse sehr klein. Die »Größe« dieser Tiere liegt je nach Art zwischen 3,5 und 8 Zentimetern. Wenn die Fledermäuse ihre Flügel aufspannen, erscheinen sie uns jedoch etwas größer. Doch auch unsere größte heimische Art, das Mausohr, ist im Fluge nicht größer als eine Amsel.

Nahrung und ökologische Bedeutung


Alle 30 in Europa beheimateten Fledermausarten ernähren sich ausschließlich von Insekten. Da Fledermäuse einen sehr großen Appetit besitzen, sind sie für die Erhaltung des natürlichen Gleichgewichtes äußerst wichtig, denn sie übernehmen die Aufgabe der Vögel in der Nacht. Da es praktisch keine anderen Tiere gibt, die nachts fliegende Insekten fangen, kommt den Fledermäusen eine sehr wichtige Rolle im Naturhaushalt zu. Jede Fledermausart bevorzugt bestimmte Insekten und besitzt eine eigene, ihr typische Art zu jagen. So vermeiden die verschiedenen Fledermausarten Konkurrenz um die Nahrung.

Der Winterschlaf - eine Anpassung an die kalte Jahreszeit

Die Fledermäuse sind darauf angewiesen, den Winter in geschützten Verstecken zu verbringen, da sie in dieser Zeit keine Nahrung finden können. Die Winterquartiere liegen zumeist in unterirdischen Höhlen, Stollen und Bunkern. Einige Arten überwintern allerdings auch in Baumhöhlen. Während des Winterschlafes wird der Stoffwechsel der Tiere in hohem Maße reduziert. Der Herzschlag fällt von über 600 Schlägen im Wachzustand auf 10 Schläge pro Minute ab, und die Atmung verlangsamt sich. Die Körpertemperatur fällt von 38 °C auf einen Wert knapp oberhalb der Umgebungstemperatur ab. Dies sind in der Regel 4 °C bis 8 °C. Auf diese Weise können Fledermäuse dann 5 bis 6 Monate lang von ihren Fettreserven leben.

Nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf im Frühjahr machen sich die Tiere auf ihren Weg in die Sommerlebensräume. Einige Arten legen auf ihrem Zug Strecken zurück, die bis zu 1500 Kilometer weit reichen können.

Das Große Mausohr
Foto: S. Röpling
Fransenfledermaus im Flug. Die stark verlängerten Finger- und Armknochen bilden den Flügel. Fledermäuse fliegen mit den "Händen".
Foto: C. Ebenau & C. Trappmann
Wasserfledermäuse im Winterschlaf. die Tiere sind mit Tautropfen benetzt. Dies verhindert das Austrocken.
Foto: S. Röpling

Bauanleitung für einen Fledermauskasten

- hier klicken -

Die hierverwendeten Texte sind entnommen aus der Veröffentlichung "Heimische Fledermäuse - Gefährdete Nachtjäger" der Naturfördergesellschaft für den Kreis Coesfeld, die in enger Zusammenarbeit mit Naturschutzbund Deutschland - Fachgruppe Fledermausschutz NRW - entstanden ist.

Texte und Bauanleitung:
Dipl. Biol. Carsten Trappmann unter Mitarbeit von Dipl. Biol. Dr. Martin Vest.

Fledermausexperte im Kreis Coesfeld:
Hans Haufe, Telefon (0 25 41) 35 30

Landesfachausschuß Fledermausschutz NRW im Naturschutzbund Deutschland

www.fledermausschutz.de

Die Kinderstube der Fledermäuse

Im Sommer bilden die Weibchen Kolonien, in denen sie ihre jungen zur Welt bringen. Die sogenannten Wochenstuben finden sich je nach Fledermausart auf Dachböden, in Ritzen und Spalten an Häusern, in Viehställen oder in Baumhöhlen. Die Kolonien können mitunter mehrere Hundert Weibchen beherbergen. Dies ist allerdings nur in Gebäudequartieren möglich. Wochenstuben in Baumhöhlen werden von höchstens 30 Tieren bewohnt.

Jedes Weibchen zieht in der Regel nur ein Jungtier auf. Während die Mutter nachts zur Beutejagd ausfliegt, bleiben die Jungtiere im Quartier zurück und werden dann bei der Rückkehr der Mutter ausgiebig gesäugt und gewärmt. Tagsüber klammert sich der Nachwuchs im Fell der Mutter fest und verbeißt sich in einer der beiden Zitzen. Die Fledermausmütter kümmern sich ausschließlich um ihr eigenes Jungtier. Dieses erkennt sie an der Stimme und am Geruch.

Nach 4 bis 6 Wochen sind die Jungen bereits flügge und fliegen alleine zur Nahrungssuche aus, die Kolonie bleibt aber noch für eine gewisse Zeit beisammen. Erst zum Herbst hin lösen sich die Wochenstubengesellschaften auf, und die Tiere fliegen zu den Winterquartieren. In dieser Zeit paaren sich die erwachsenen Tiere bereits wieder. Die Weibchen speichern die Spermien in ihrem Körper den gesamten Winter über. Die Befruchtung erfolgt erst im Frühjahr mit dem Aufwachen aus dem Winterschlaf.


Gefährdungsursachen

Leider sind Fledermäuse selten geworden. Einige Arten stehen bei uns kurz vor dem endgültigen Verschwinden. Alle 22 in Deutschland festgestellten Fledermausarten sind nach dem Bundes-Naturschutz-Gesetz streng geschützt. Die wichtigsten Ursachen für den starken Rückgang dieser Tiere sind:

- Starke Veränderungen in der Landschaft
-
Einsatz von Insektiziden (zum Beispiel DDT)
- Holzschutzbehandlung in Dachböden
- Vernichtung der Quartiere
- Unfalltod im Straßenverkehr
- Direkte Verfolgung

Heutzutage ist es schwierig, Fledermäuse zu beobachten, und eine Kolonie dieser Tiere zu entdecken, ist ein besonderer Glücksfall.

Fledermäuse im Kreis Coesfeld

Bislang sind im Kreisgebiet 13 Fledermausarten bekannt geworden. Diese besitzen unterschiedliche Ansprüche an ihre Jagdgebiete und ihre Wochenstubenquartiere.

Fledermäuse der Siedlungsbereiche

Zwergfledermaus:
Die kleinste Art, im Kreis Coesfeld noch durchaus verbreitet anzutreffen. Sie bezieht ihr Quartier in Ritzen und Spalten in und besonders an Häusern. Die Jagdgebiete werden bevorzugt in Gärten, Parks und an Waldrändern, gern in Gewässernähe gewählt. Ihr Flug ist etwas unruhig, und die Zwergfledermaus erscheint dabei etwa nur so groß wie ein Zaunkönig.

Breitflügelfledermaus:
Eine typische Art der Siedlungsgebiete. Sie ist eine unserer größten Arten und wirkt im Flug so groß wie eine Amsel. Auch sie bezieht ihr Quartier in und an unseren Häusern. Die Breitflügelfledermaus jagt in abwechslungsreichen Landschaften, Bachtälern, Waldgebieten, aber auch in Parks und entlang von Straßenlaternen.

Wasserfledermaus:
Eine mittelgroße Art, die praktisch an jedem größeren Gewässer anzutreffen ist. Sie bewohnt Baumhöhlen und Spalten unter Brücken. Die Jagdweise dieser Art ist besonders typisch. Sie fliegt flach über der Wasseroberfläche eines Gewässers dahin und käschert Insekten mit ihrer Schwanzflughaut.

Fledermäuse der Wälder

Großer Abendsegler:
Diese Art jagt bereits in der Dämmerung an Waldrändern und über Gewässern. Abendsegler bevorzugen den freien Luftraum. Der Abendsegler erscheint im Flug so groß wie eine Amsel. Diese Art ist aufgrund ihrer Größe und ihres frühen Ausfluges sehr gut gegen den noch hellen Nachthimmel zu beobachten.

Braunes Langohr:
Mit seinen großen Ohren bestens an die Jagd in dichter Vegetation angepaßt. Langohren sind in der Lage, im Rüttelflug die Blätter nach Raupen abzusuchen. Sie ist in jedem größeren Waldbestand zu erwarten.

Fransenfledermaus:
Bildet die Wochenstuben in Baumhöhlen, aber auch gerne in Gebäuden. Sie ist bei der Jagd nach Fliegen in Viehställen an ihrem hüpfenden Flug zu erkennen.

Seltene Arten

Weiterhin sind im Kreis Coesfeld noch 7 seltene Arten vertreten, von denen es bislang nur wenige Nachweise gibt: Mausohr, Große und Kleine Bartfledermaus, Bechsteinfledermaus, Teichfledermaus, Rauhhautfledermaus sowie Kleinabendsegler.

Besonderheiten im Kreis Coesfeld

Im Kreisgebiet sind mehrere Wochenstuben verschiedener Fledermausarten bekannt. Es handelt sich um insgesamt 36 Wochenstuben zumeist der Zwergfledermaus.

Im Kreisgebiet befinden sich zwei große Winterquartiere mit jeweils über 100 Fledermäusen. Einem alten Quartier auf dem Hochplateau der Baumberge kommt hierbei eine besonders wichtige Rolle zu.

Dieses Quartier ist übrigens schon seit dem letzten Jahrhundert bekannt. Bereits Landois hat hier Untersuchungen durchgeführt. Neuere Studien belegen für dieses Objekt nicht nur eine hohe Bedeutung als Winterquartier, sondern auch eine überregional bedeutsame Funktion als Paarungs- und Rastquartier. Dieses Quartier dient wahrscheinlich als »Drehscheibe« für die Wanderung der Fledermäuse in der Westfälischen Bucht.

Neben diesen beiden großen und überregional bedeutsamen Winterquartieren. sind aber noch 7 kleinere Quartiere bekannt.

Fledermausschutz

Das Überleben der Fledermäuse liegt in unseren Händen. Jeder Einzelne kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Besonders wichtig für die Fledermäuse ist der Schutz natürlicher Jagdgebiete. Hier ist jeder Tümpel, jede Obstwiese und jede Hecke von großer Bedeutung.

Um den Erhalt der Nahrungsgrundlage zu sichern, ist es wichtig, den Einsatz von Insektiziden so weit wie möglich einzuschränken.

Bekannte Quartiere müssen von allen Störungen freigehalten werden. Da Fledermäuse sehr störungsanfällige Tiere sind, kann zu häufiges Aufwachen im Winter den Erschöpfungstod bedeuten. Im Sommer kann es ein Verlassen des Quartieres bedeuten, wobei die Mütter unter Umständen ihre Jungen zurücklassen.

An bekannten und vermuteten Quartieren muß in jedem Fall vor dem Beginn von Umbau- und Renovierungsmaßnahmen ein Fachmann eingeschaltet werden. Er kann Sie beraten, wie Sie Störungen oder gar eine Zerstörung des Quartieres vermeiden können. Eine Baumaßnahme an Sommerquartieren darf nicht in der Zeit von April bis September durchgeführt werden. Bitte machen Sie die Fledermäuse nicht obdachlos.

Baumhöhlenüberwinterer sind im Winter durch den Holzeinschlag besonders gefährdet. Es muß sorgfältig geprüft werden, ob ein Baum mit einer Baumhöhle wirklich geschlagen werden muß oder ob er nicht für einige Zeit stehen bleiben kann. Die NFG kann in Absprache mit dem Eigentümer Höhlenbäume aufkaufen und so für die Tierwelt erhalten. Sollte Ihnen ein derartiger Baum mit einer Höhle bekannt sein, nehmen Sie bitte mit einem Fachmann Kontakt auf.

Bitte melden Sie Ihre Fledermaus-Beobachtungen an einen Fachmann weiter. Eine Kontaktadresse finden Sie in der Web-Site www.fledermausschutz.de oder wenden Sie sich an die den Obmann für Naturschutz in der Kreisjägerschaft Coesfeld.

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